Manfred Köhler
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Gigantisches Monument, derzeit verhüllt

Eigentlich wollte ich das Kyffhäuser-Denkmal nicht vor dem Jahr 2014 besichtigen, weil es bis dahin wegen Restaurierungsarbeiten verhüllt sein wird. Dann fand ich im Internet die ironische Bemerkung eines Touristen „Ja, war denn der Christo hier?“ – und nahm nun die Verhüllung sogar als Anlaß für einen sofortigen Besuch. Denn so wie jetzt hat das Denkmal nie ausgesehen, und zu meinen Lebzeiten wird es diesen Anblick nicht noch einmal geben. Außerdem verdecken die Plastikplanen nur den Turm und nicht die Statuen. Bezogen auf das Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I. sind die Restaurierungsarbeiten sogar von Vorteil, denn auf einem frei zugänglichen Gerüstabschnitt kommt man so nah heran wie sonst nie. Vor Ort erweist sich der Kyffhäuser ohnehin als Tummelplatz der Attraktionen, von denen das Denkmal nur die größte ist. Besonders sehenswert ist der 176 Meter tiefe Burgbrunnen, laut Beschreibung der tiefste der Welt. 30 Jahre lang wurde daran gerackert. Der Brunnen ist beleuchtet bis zum Grund. Entstehungsgeschichte und Besonderheiten werden auf Schautafeln und anhand von Filmen auf einem riesigen Freilicht-Bildschirm erläutert. Äußerst informativ ist auch das Museum mit Modellen der einst drei gewaltigen Burgen, von denen die Oberburg, die vom Denkmal halb überbaut wurde, die größte ist. Der Bergfried, der schon Goethe begeisterte, ist frisch saniert, leicht zu besteigen und ebenfalls Ausstellungsfläche für Info-Tafeln. Ein Highlight für Burgruinen-Fans ist die Unterburg mit ihrer geschlossenen, bis zu zehn Meter hohen Umfassungsmauer. Der Turm des Denkmals ist übrigens, trotz der Verhüllung, frei begehbar, auch die Aussichtsplattform gewährt den üblichen grandiosen Rundumblick über das Kyffhäusergebirge und, jeweils im Hochsommer, auf das jährlich wechselnde Bodenbild in der Größe von 46 Fußballfeldern. Eine Ausstellung im Turm unterrichtet detailliert über die Entstehungsgeschichte des Denkmals – und das im letzten Moment verhinderte Ende: Fanatische DDR-Sozialisten wollten die Statuen einschmelzen und das Gesamtobjekt sprengen, was ausgerechnet von den Besatzern verhindert wurde. Ein letztes Argument, das für eine Kyffhäuser-Besichtigung während der Verhüllung spricht: Die Eintrittskarte gilt zugleich als Freikarte für einen zweiten Besuch nach Ende der Sanierungsarbeiten.

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