Manfred Köhler
Romane
Sachbücher
Texte
Lesungen
Kontakt
Links
Ausflugsziele
Naumburg 2-6 Naumburg 2-7

Naumburg 2: Von Fangtoren, Toten-
masken und schmollenden Stifterfiguren

Über die Entwicklung mittelalterlicher Stadtbesfestigungen von einfachen Holzpalisaden hin zu gemauerten Zwingeranlagen mit mehrfach gesicherten Toren kann man sich im Naumburger Marientor informieren, und zwar anhand informativer Schautafeln innerhalb der Konstruktion – und durch Außenbesichtigung von Torturm und Barbakane, der vorgelagerten Doppeltoranlage. Barbakanen, auch Fangtore genannt, sind äußerst selten zu finden, denn im 19. Jahrhundert empfand man diese Meisterleistungen der Verteidigungskunst als beengend und entbehrlich und schleifte sie europaweit.

Naumburg 2-8
Naumburg 2-9

Auch in Naumburg fielen der Abrißwut drei weitere prächtige Barbakanen zum Opfer. Das Marientor blieb erhalten, weil es bis ins 19. Jahrhundert teils bewohnt, teils als Gefängnis genutzt wurde. Die eisernen Wandringe, mit denen Gefangene damals an die Wand gekettet wurden, sind heute noch in fast allen Räumen zu besichtigen. Überhaupt ist die Toranlage von innen ein faszinierendes Labyrinth mit stellenweise in alle Richtungen abzweigenden Gängen und Stiegen und Räumen. Der einstige Wehrgang ist zuweilen so eng, daß man nur mit schmalen Schultern durchkommt oder eben quer. Hoch auf den Turm muß man ganz schön klettern und sich durch niedrige Ausstiege zwängen, aber es lohnt sich: Der Blick auf die Stadt und bis hinüber zum Dom ist phänomenal. Leider öffnen die Innenräume erst wieder am 1. April, aber von außen sind alle Bereiche des Marientors, auch der bogenförmige Fanghof, jederzeit zu besichtigen.

Naumburg 2-5
Naumburg 2-1

Ohnehin findet man in Naumburg weit mehr, als man an einem Tag schaffen kann – siehe Teil 1 dieses Berichts. Angemerkt sei noch, daß das Stadtmuseum bis auf weiteres eine besondere Sehenswürdigkeit bietet, nämlich detailgetreue Nachbildungen der legendären Stifterfiguren, die im Original im Dom wegen der Höhe, in der sie angebracht sind, bei weitem nicht so gut zu besichtigen sind. Die Figuren fallen auf durch eine Mimik, die so lebensecht ist, daß man meinen könnte, der Künstler habe menschliche Ausdrucksformen veranschaulichen wollen. Da wird verschmitzt gelächelt, keck über die Schulter gespitzt, skeptisch gegrübelt, gar traurig dreingeschaut und unverholen geschmollt. Wer sich darüber genug amüsiert hat, findet im gleichen Museumsraum auch Antlitze zum Gruseln, nämlich Totenmasken unter anderem von Napoleon und Nietzsche. Seltsam ist es, Gesichtern gegenüberzustehen, die man so oft auf Bildern gesehen hat, und zu wissen: Genau so haben sie ausgesehen – als ihr aufregendes, umjubeltes Leben vorbei und von jetzt an nur noch Legende war.

Naumburg 2-3
Naumburg 2-4

Weitere Ausflugsziele

Hauptseite