Manfred Köhler
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Burgmuseum Parsberg: Lord
Helmchen und der Schädel des Ritters

Es gibt Ausflüge, die sind so vollgestopft mit Eindrücken, dass man gar nicht weiß, wo anfangen. Von meinem Kurztrip durchs Neumarkter Land greife ich deshalb von drei Stationen erst mal nur eine heraus: Parsberg. Die Kreisstadt Neumarkt mit ihrer Burgruine Wolfstein und das preisgekrönte Örtchen Lupburg folgen bei Gelegenheit.

Gerade wenn man viel erlebt und das auch noch dicht gedrängt, ist es oft interessant, an sich selbst zu beobachten, was davon hängen bleibt und was einen vielleicht sogar über Tage hinweg beschäftigt. Abgesehen von diversen Pannen an diesem Tag klebt mir die Geschichte des Ritters Haug von Parsberg im Gedächtnis. Schon vor Ort im Museum der Burg Parsberg ging davon eine besondere Faszination aus, und das lag nicht allein an dem Totenschädel selbst, der dort ausgestellt ist, sondern an der Biografie des Menschen, dem die Knochen einmal gehört haben. Dieser Haug von Parsberg kam auf ungewöhnliche Art ums Leben, nämlich als er versuchte, einen Streit seiner eigenen Landsknechte zu schlichten. Und das ihm, der so viele brutale Schlachten heil überstanden und sich immer durch besonderen Heldenmut ausgezeichnet hatte!

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Haug von Parsberg hat nicht nur Weltgeschichte mitgeschrieben, indem er dazu beitrug, die Stadt Wien bei der Ersten Türkenbelagerung zu verteidigen; er war außerdem Anführer der Nürnberger Truppen im Zweiten Markgrafenkrieg und hatte damit seinen Anteil an der Eroberung und Zerstörung der Burgen Streitberg und Zwernitz wie auch der Städte Kulmbach und Hof. Mit diesen Ereignissen habe ich mich erst jüngst beschäftigt, jeweils auch vor Ort, und wie es nach fast 500 Jahren nun mal so ist, kann man sich unter den damals handelnden Personen nicht allzu viel vorstellen, sie sind lange tot und verschwunden. Plötzlich aber steht man vor Überresten einer dieser Personen. Man sieht die Zähne, mit denen dieser Mensch seine Nahrung gekaut hat. Ein seltsames Gefühl bezogen auf die eigene Vergänglichkeit.

Nachdenklich macht auch das Thema Otto Bachmaier im regionalgeschichtlichen Teil des Museums. An der Hinterseite des Themenraumes wurde das Arbeitszimmer des Heimatmalers mit Gegenständen aus seinem Nachlass nachgebaut – und ihm selbst in Aktion. Die lebensgroße Puppe wirkt so echt, dass man die Täuschung erst aus der Nähe bemerkt. Bachmaier war der Idealtypus eines Künstlers, dem seine Freiheit über alles ging. So gesehen führte er das für ihn perfekte Leben, bezahlte seine Unabhängigkeit aber mit Armut bis hin zu bitterer Not.

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Dass ich diese zwei Punkte herausgegriffen habe, heißt nicht, der Rest des Museums wäre weniger interessant, ganz im Gegenteil. Der „Zeitstrahl“ vom 12. Jahrhundert in die Gegenwart, der eine lange Wand im Erdgeschoss belegt, ist als Objekt ein Hingucker und vernetzt Welt-, Landes- und Regionalgeschichte auf ungewöhnlich lehrreiche Art. Selten zuvor ist mir außerdem eine derart geballte und detaillierte Darstellung der deutschen Geschichte vom Bismarckreich bis zur Hitlerzeit untergekommen – Bilder, Biografien und Gegenstände ohne Ende. Auch zum Schmunzeln findet man so dies und das, zum Beispiel eine Rüstung, deren Kopfschutz auffallend an Darth Vader beziehungsweise Lord Helmchen erinnert.

Die zweieinhalb Stunden, die das Museum sonntags im Winter geöffnet hat, reichen jedenfalls bei weitem nicht. Und dann ist da ja auch noch die Burg selbst. Bemerkenswert daran ist nicht nur die einzigartige, schwindelerregend hohe Doppelturmkonstruktion über dem Zugang, sondern auch die Tatsache, dass die Vorgängerburg – derzeit leider unzugänglich - als Ruine auf dem Felsen darüber liegt, man nach deren Zerstörung also mit dem Neubau einfach mal ein „Stockwerk“ tiefer rutschte. Zur Weihnachtszeit kann auch der mit viel Liebe gestaltete Parsberger Burg-Weihnachtsmarkt ein Grund sein, den Ort zu besuchen.

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