Manfred Köhler
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Quedlinburg 1 Quedlinburg 2

Die Frau, die den Roland zerstörte
und Quedlinburg unterwarf

Der Quedlinburger Roland mit seinen Pausbacken ist ein Symbol dafür, wie eine einzige Person das Schicksal einer Stadt für Jahrhunderte bestimmen kann. Im Fall von Quedlinburg, das im Spätmittelalter als Hansestadt auch noch Freie Reichsstadt werden wollte, war diese Machtperson eine Frau: Äbtissin Hedwig, Herzogin von Sachsen, unterwarf die Quedlinburger, ließ den Roland als Zeichen der Hansemitgliedschaft zerstören und hemmte damit die Entwicklung der aufstrebenden Stadt für lange Zeit. Erst 400 Jahre nach diesem Ereignis wurden die Trümmer gefunden, wieder zur Statue zusammengefügt und vor dem Rathaus aufgestellt, wo man den Roland heute noch bewundern kann.

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Solche Geschichte erfährt man, wenn man die Stadtführung mitmacht, die am Rathaus beginnt, durch die Gassen der Altstadt führt und nach rund eineinhalb Stunden auf dem Burgberg endet. Ich habe schon sehr viele Stadtführugen mitgemacht – die in Quedlinburg gehörte mit Abstand zu den besten.

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Ohne die Führung wäre ich an diesen beiden Häusern vielleicht achtlos vorbeigelaufen. Der sogenannte Ständerbau links gehört zu den ältesten Fachwerkhäusern Deutschlands und soll im Innern so schief sein, dass manchen Leuten schlecht wird, wenn sie die Räume durchwandern. Noch interessanter fand ich die Geschichte zu dem Häuschen rechts, dessen Fenster zur Zeit leider von Pressspanplatten verrammelt sind: An dieser Stelle, dem heutigen Finkenherd 1, soll der Sachsenherzog Heinrich bei der Vogeljagd erfahren haben, dass er gerade zum deutschen König gewählt wurde. Da Heinrich später die deutschen Stämme einte, gilt der Tag der Vogeljagd am Quedlinburger Finkenherd als Beginn der deutschen Geschichte.

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Höhepunkt einer Quedlinburg-Besichtigung ist dann der Burgberg. Vor 1.000 Jahren trafen sich hier die Herrscher Europas zum Hoftag – eine Art G7-Treffen des Mittelalters. Sehr zu empfehlen ist das Schlossbergmuseum. Mich jedenfalls beschäftigte es so lange, dass die Stiftskirche schon geschlossen hatte, als sie endlich an der Reihe gewesen wäre.

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Für einen Blick auf die ehemalige Stadtbefestigung war es aber noch hell genug. Die einstmals vier Stadttore wurden zwar im 19. Jahrhundert abgerissen, und das interessanterweise gegen den Protest der damaligen Bürgerschaft, die sich des Wertes dieser Zeitzeugnisse wohl bewusst war; von der Stadtmauer selbst wurden allerdings größere Abschnitte bewahrt, und man findet auch noch stattliche Wehrtürme, hier zum Beispiel den Pulverturm und den Schreckensturm, in dem die Folterkammer untergebracht war.

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Wenn es dunkel wird, gewinnt die Innenstadt von Quedlinburg noch weiter an Reiz, denn viele der 2.000 Fachwerkhäuser aus acht Jahrhunderten werden romantisch illuminiert. Die blaue Stunde hat meine kleine Kamera gerade noch gepackt.

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