Manfred Köhler
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Burgen-Duo Saaleck und Rudelsburg:
Zoff um den lümmelnden Bismarck

Sobald man früher eine Burg dem Verfall preisgab, endete meist auch die Phase, in der an ihrem Ort Geschichte geschrieben wurde. Ganz anders ist das bei den Ruinen Saaleck und Rudelsburg. Sie wurden nicht nur, wie viele andere, Jahrhunderte nach Zerstörung und Niedergang als Ausflugsziele wiederentdeckt, sie wurden auch zu Orten, an denen weiterhin so viel Einschneidendes geschah, daß die jüngere Geschichte inzwischen interessanter ist als die mittelalterliche.

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Obwohl sie nur einen kurzen Spazierweg entfernt liegen, haben Saaleck und Rudelsburg wenig gemein. Die Architektur war sehr unterschiedlich, eine Ähnlichkeit bestand allenfalls in Bezug auf ihre einst ungewöhnlich weitläufigen Vorburgen, die kleinen Städten entsprachen. Auch die Verkettung menschlicher Schicksale hatte eine andere Qualität. Bemerkenswertestes Ereignis der letzten hundert Jahre auf Burg Saaleck war das blutige Nachspiel eines Attentats: 1922 flüchteten die Mörder des damaligen Reichsaußenministers Walther Rathenau hierher und nisteten sich mit Unterstützung des Pächters Hans Wilhelm Stein auf der Burg ein. In einem Feuergefecht mit der Polizei wurde einer der Mörder erschossen, der andere richtete sich selbst. Allein die Informationstafeln im Westturm der Burg, die auf diesen Kriminalfall Bezug nehmen, sind schon einen Besuch wert. Dioramen-Freunde werden von einem eiszeitlichen Schaubild mit Pferde-Jagdszene begeistert sein. Highlight aber ist die Aussicht vom Westturm auf die spektakuläre Landschaft des Saaletales.

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Ein ganz anderes Thema findet man nebenan auf der Rudelsburg in verdichteter Form. Spätestens seit der Berliner Student Franz Kugler aus Stettin hier 1826 das Volkslied „An der Saale hellem Strande“ dichtete, wurde die Burgruine von seinen Kommilitonen als Ort der romantischen Einkehr und des Feierns entdeckt. Zwischen 1872 und 1926 wurden auf dem Gelände der ehemaligen Vorburg insgesamt vier corpsstudentische Denkmäler eingeweiht, von denen das Jung-Bismarck-Denkmal zu damaliger Zeit für den größten Wirbel sorgte. Von allen Gedenkstätten in Deutschland war und ist es das einzige, das den legendären Reichsgründer nicht nur als jungen Mann, sondern auch noch in lässig-lümmelnder Haltung darstellt. Im Gegensatz zur empörten Öffentlichkeit zeigte sich der Altkanzler selbst von seinem jugendlichen Abbild sehr angetan.

Zu DDR-Zeiten wurden die Monumente geschleift, Inschriften wurden ausgemeißelt, die Überbleibsel überließ man der Verwahrlosung. Erst nach der Wende konnten die Denkmäler dank umfangreicher Spenden weitgehend wiederhergestellt werden. Sie sind nun, neben den Burgen selbst, die großen Attraktionen des Ausflugszentrums Saaleck-Rudelsburg.

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