Manfred Köhler
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Burg Seeberg und der Henker von Eger

Karl Huss war 15 Jahre alt, als er zum ersten Mal einen Menschen töten mußte. Damit schien sein Weg zunächst vorgezeichnet: Im 18. Jahrhundert hatte man als Sohn eines Scharfrichters selbst einer zu werden, und tatsächlich übte Karl Huss den Beruf in seiner Wahlheimatstadt Eger aus, bis die Vollstreckung der Todesstrafe durch Richtschwert und Strang abgeschafft wurde. In praktisch jeder anderen Hinsicht aber trotzte er den gesellschaftlichen Normen seiner Zeit. So forderte er mit seinen Erfolgen als Heiler die Ärzteschaft heraus, machte sich einen Namen als Dichter, Chronist und Sammler, heiratete weit über seinem Stand und pflegte eine Art Freundschaft zu Johann Wolfgang von Goethe – auch wenn der, da Henker als „unehrlich“ galten, schriftlich nur über Dritte mit ihm kommunizierte. Lange Zeit litt Karl Huss unter gesellschaftlicher Ausgrenzung wegen des Berufes, den er gar nicht wollte. Als Teile seiner eigenen Sammlung gestohlen wurden, war er selbst zunächst der Hauptverdächtige. Gegen Ende seines Lebens aber brach er endgültig aus der aufgezwungenen Rolle aus und schaffte es sogar, „ehrlich“ gesprochen zu werden und in den Bürgerstand aufzusteigen.
Die ungewöhnliche Lebensgeschichte des Karl Huss wird auf Burg Seeberg bei Franzensbad ausführlich dargestellt. Zu sehen gibt es unter anderem diverse Richtinstrumente, Foltergeräte und das lebensgroße Diorama einer Enthauptung. In der vielfältigen und äußerst reichhaltigen Sammlung der Burg ist der Themenbereich Karl Huss allerdings nur einer von vielen Schwerpunkten. Beschäftigen kann man sich darüber hinaus mit der Geschichte des Gemäuers selbst, den Lebensstationen Johann Wolfgang von Goethes, Möbeln des 19. Jahrhunderts, den Bräuchen der Landbevölkerung im Egerland und einer Ausstellung mit Karlsbader Porzellan.

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