Manfred Köhler
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Tiergarten Nürnberg:
Muntere Delfine, traurige Gorillas

Von Zoos und Zirkussen halte ich mich eigentlich fern. Egal, wie gut man es mit den Tieren dort meint, sie sind nun mal eingesperrt und gezwungen, ein meist ganz und gar nicht artgerechtes Leben zu führen.

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Bei einem Familienausflug verschlug es mich nun in den Tiergarten Nürnberg. Um den kritischen Einstieg nicht dominieren zu lassen, will ich hier gleich mal ein Fazit vorweg nehmen: Es war ein wunderschöner Tag, der Tiergarten ist in jeder Weise empfehlenswert und eine Reise wert. Vor allem das Schmetterlingshaus, in dem man in eine tropische Dschungelwelt eintauchen kann, wurde mir zur sehnsuchtsvollen Erinnerung. Aber so manches macht eben auch nachdenklich.

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Da sind zunächst mal die Seehunde und Delfine, die stundenlang mit Bällen spielen und dabei so munter und fast schon glücklich wirken, dass man meinen könnte, ihre Gefangenschaft bleibe ihnen unbemerkt oder sei ihnen egal.

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Da sind aber auch, ein paar Meter weiter, die Gorillas, die traurig am Boden liegen oder hocken, sich kaum bewegen und allenfalls mal Blicke über die gaffenden Besucher schweifen lassen, die so wissend, vorwurfsvoll und zugleich schicksalsergeben wirken, dass die Vermutung nahe liegt: Die sind sich im Klaren darüber, dass sie nicht da sind, wo sie sein sollten – und dass wir ihnen das angetan haben.

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Nun ist ein Zoo heutzutage aber längst keine reine Tier-Präsentations-Einrichtung mehr. Gerade in Nürnberg widmet man sich vorrangig den Themen Arterhaltung und Umweltschutz, und in diesem Sinne wird auch Großartiges geleistet. Die Info- und Schautafeln lenken den Blick auf die wahren Probleme, nämlich darauf, wie die großflächige Rodung der Regenwälder und die Überfischung, Vergiftung und Vermüllung der Meere der Tier- und Pflanzenwelt in globalem Maße schaden – und wie man als Einzelner durch sein Einkaufsverhalten dazu beitragen kann, die Welt wieder ein bisschen besser zu machen oder zumindest nicht noch schlechter.

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So fällt nach dem vorgezogenen auch das Schluss-Fazit hoffnungsvoll aus. Die Gorillas in Nürnberg mögen in ihren Schaukästen hinter Glas nicht glücklich sein, dafür fehlt es ihnen außer an ihrer Freiheit aber an nichts, sie werden nicht gejagt und abgeschlachtet, der Ausrottung ihrer Art wird hier etwas entgegengesetzt. Wirklich zufriedenstellend ist dieses Fazit natürlich nicht, es bleibt ein bitterer Beigeschmack. Ich selbst hatte mal Wellensittiche. Einerseits langweilten sie sich von früh bis spät in ihrem Käfig und hatten als Höchstmaß an Freiheit einen Rundflug durchs Wohnzimmer. Andererseits erfreuten sie sich einer Lebenserwartung, die in ihrer Heimat Australien gerade mal einen Bruchteil betragen hätte. Was besser ist, darüber fällt das Urteil wohl bei jedem anders aus. Ich selbst habe mich entschlossen, mir kein Haustier mehr anzuschaffen – nicht, weil ich wüsste, was besser ist, sondern weil ich nicht mehr derjenige sein will, der einem anderen Lebewesen die Entscheidung über Freiheit und Überlebenskampf oder Unfreiheit und Behütetsein zwangsweise abnimmt.

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